Unsere Wirklichkeit ist geprägt von Supermarkt, Überfluss, Werbung, Computer, TV. entwurzelte Familien, ältere Menschen vereinsamen und sterben in Pflegeheimen. Wir haben den Kontakt zur natürlichen Welt verloren, sind uns unseres Platzes darin als sterbliche Wesen nicht mehr bewusst. Wir haben vergessen, wie man stirbt…

Steven Foster

Begegnung mit dem Tod – “The Great Ballcourt Fast”
12.-24.September 2022 – Podere Albe / Toscana

Wir haben aber nicht nur vergessen wie man stirbt, der Tod an sich ist ins Abseits gerutscht. Der Tod ist zum Tabu geworden, ja fast zum Feind, er bedroht unser Leben in Ablenkung und Konsum. Der Tod hat etwas anrüchiges, fauliges an sich. Wir vermeiden die Auseinandersetzung mit ihm, wir wissen nicht, wie mit dem Verfall, dem Altern umzugehen ist.
Wissenschaft & Medizin arbeitet am Traum von der Unsterblichkeit, Wirtschaft und Forschung an der Kontrolle des Lebens. Künstliche Intelligenz und Algorithmen bestimmen unser Dasein. Ohne digitale Hilfsmittel haben wir keinen Kontakt mehr zu unserer Umwelt! Eventkultur und Freizeitkonsum stehen ganz oben auf unserer Wertskala
Sterben ist “OUT”
Mitgefühl, Zuhören und Leben im Kreislauf klingt wie ein Märchen aus längst vergessenen Tagen.
Der Tod hat ausgedient, wir haben keinen Platz mehr für Ihn, wir haben keine Zeit uns damit auseinanderzusetzen… und doch, können wir uns sicher sein dass er am Ende kommt und uns, wie einst dem Jedermann, die wohl feile Existenz raubt.

Mayakrieger in der Unterwelt

Angelehnt an die Mythen der Mayas (Popool Vuh) und den Buddhistischen Lehren vom Leben und Sterben (Bardo Thödröl) begeben wir uns auf eine Reise in die Unterwelt, konfrontieren uns mit der eigenen Sterblichkeit.
Die Einladung, an der Zeremonie des “großen Ballspielplatzes” teilzunehmen, richtet sich an alle jene, die sich bewusst mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen – in Beziehung gehen wollen. Sie ergeht an all jene, die beruflich mit dem Sterben zu tun haben und an all jene, die die volle Kraft und das ganze Potential ihres Daseins erkunden und freisetzen möchten – warum bin ich – hier und jetzt? – Sterben um ganz zu Leben!

Voraussetzung für die Teilnahme an der Ballcourt-Zeremonie ist eine absolvierte Visionssuche mit 3 oder 4 Tägiger Solozeit oder die Teilnahme an einem PLD Programm der School of lost Borders.
Wir ermutigen Teilnehmer an der Zeremonie sich bereits 6-12 Monate vor der Zeremonie anzumelden. Dies ermöglicht eine angemessene innere und äussere Vorbereitung auf die Zeremonie und das “gehen mit” & “entwickeln der” persönlichen Absicht. Wir bitten dich auch darum, deinen Ruf zu dieser Zeremonie zu prüfen. Wir raten davon ab, die Zeremonie “einfach mal auszuprobieren”! Die Anmeldung erfolgt per Mail an Waltraud oder Joe

Begleitung: Waltraud Georgiades & Joe Knauer
Kosten: 940€
Unterkunft & Verpflegung : 400€(Zelt)-450€(Zweibettzimmer)

Anmeldung Ballcourt 2022

Die Götter der Unterwelt

In der Zeit zwischen den Kalendern wurden im Reich der Mayas die Feuer für 4 Tage und Nächte gelöscht. Die Zeit, der Kalender, das Leben blieb stehen. Die besten Spieler des Landes wurden auf den großen Ballspielplatz gerufen. Der Ball durfte nur mit der Hüfte gespielt und durch den Ring an der Mauer getroffen werden.
Zur Vorbereitung auf das Spiel und damit sie während dem Spiel durch nichts abgelenkt werden konnten durchliefen sie verschiedene Riten.
Die Sieger wurden zu Göttern… und… geopfert.
Zum Wohle des Volkes, spielten sie das “Spiel ihres Lebens” gaben ihr Bestes um zu siegen.
In dem Moment als dem Kapitän der Siegermanschaft das Herz aus dem Leib geschnitten wurde, 
wurde auch ein Span entzündet, die Feuer begannen wieder zu brennen, 
der Kalender wurde neu gestartet, und das Leben konnte für einen weiteren Zyklus weitergehen…

Das Loch im Ring ist kaum größer als der Ball. Es hängt ca 3 Meter über dem Spielfeld

Allen Interessierten möchte ich hier einen Text aus dem Buch von Franz P. Redl “Übergangsrituale, Visionssuche, Jahresfeste, Arbeit mit dem Medizinrad” Drachenverlag 2009 an´s Herz legen.

Leben und Sterben – sterben lernen, um zu leben 

Von Meredith Little und Scott Eberle

Seit Jahrtausenden beherrschen indigene Völker in aller Welt »die Kunst des Sterbens«. Dies lehrte sie die natürliche Welt, und über den Lauf von Jahren und Generationen hinweg entwickelten sie diese Kunst zur Meisterschaft. In allen Din- gen wurden Zyklen von Tod und Wiedergeburt erkannt: Sonnenuntergang und Son- nenaufgang; der Wechsel der Jahreszeiten; der Tod der Alten und die Geburt einer neuen Generation. Als Ausdruck dieser Meisterschaft bildeten sich pankulturelle zeremonielle Übergangsriten heraus. Diese Riten unterstützen Individuen dabei, eine Lebensphase loszulassen – die »kleinen Tode« – und in der nächsten »wieder- geboren« zu werden. Zudem dienten ihnen die Riten zur Vorbereitung auf den letzten Übergang, den großen Tod, der uns alle erwartet.

Im Zug der zunehmenden Mechanisierung unserer Welt haben wir uns immer stärker von unserer natürlichen Umgebung und der alten Weisheit vom Leben und Sterben entfremdet: strahlend helle Beleuchtung; Klimaanlagen und abgekapseltes Wohnen; Fleischverpackungsindustrie, landwirtschaftliche Industriebetriebe und Supermärkte; Kino, Fernsehen und Computer; entwurzelte Familien; ältere Menschen vereinsamen und sterben in Pflegeheimen… Neben vielen weiteren Veränderungen sind dies die Gründe, weshalb wir den Kontakt zur natürlichen Welt verloren haben und uns unseres Platzes darin als sterbliche Wesen nicht mehr bewusst sind. Wir haben vergessen, wie man stirbt.

In den sechziger und siebziger Jahren setzte in zwei Bereichen gleichzeitig ein langsames Wiederentdecken der vergessenen Kunst des Sterbens (und Lebens) ein. Zum einen war dies die Hospizbewegung, die 1967 vom St. Christopher’s Hospize in London ausging und sich in alle Welt verbreitete, so dass heute in mehr als einhundert Ländern Hospize existieren; zum anderen die Bewegung »Wilderness Rites of Passage«, die, kurz nachdem sich Steven Foster und Meredith Little 1974 begegnet waren, entstand. Beide gehörten zu den Pionieren dieser bahnbrechenden Arbeit, die schließlich zur Gründung der »School of Lost Borders« führte.

Drei Jahrzehnte später trafen diese beiden Welten auf ungewöhnliche und intime Weise aufeinander, als der Hospizarzt Scott Eberle gebeten wurde, Steven in seinen letzten Lebensmonaten ärztlichen Beistand zu geben. Scott war bereits mit der Arbeit von Steven und Meredith vertraut, hatte oftmals gefastet und an ihrer Schule Lehrgange bei anderen Dozenten absolviert. Bei ihrer ersten Begegnung erklärte Scott: »An der Grenze dessen, was ich zu fassen vermag, versuche ich den Bereich, in dem sich die Hospizarbeit und ihre Übergangsriten treffen, zu erforschen.«

Monate nach Stevens Tod bat Meredith Scott, mit ihr zusammen Programme zur Erforschung dieses besonderen Grenzbereichs zu leiten. Gemeinsam entwickelten sie »Die Praxis des Lebens und Sterbens«, einen Erfahrungslehrgang im Freien, der die Teilnehmer dabei unterstützt: »sterben zu lernen, um zu leben«.

die geopferten Sieger vom Ballspielplatz in Chichen Itza

Die Praxis des Lebens und Sterbens 

Das symbolische und physische Sterben weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Viele allegorische Lehren aus aller Welt beschreiben die Kunst des Sterbens, eine Weisheit, die Menschen anleiten kann, die an einer wichtigen Lebensschwelle im Äußeren stehen oder sich darauf vorbereiten, die Schwelle des physischen Todes zu überqueren. »Die Praxis des Lebens und Sterbens« beruft sich auf eine dieser Allegorien, auf eine Lehre der zentralamerikanischen Mayas und die zeremonielle Vorbereitung der Ballspieler auf das heilige Spiel der kulturellen Erneuerung, das auf dem großen Ballspielplatz ausgetragen wurde. 

Dieser Lehre zufolge umfasst eine bewusste Reise in den (symbolischen oder physischen) Tod vier Schritte – den Pfad der Entscheidung, die Todeshütte, den Bestimmungskreis und den großen Ballspielplatz – wobei einen auf der anderen Seite des Todes ein neuer Anfang erwartet. Obwohl in allen Kursen über die Praxis des Lebens und Sterbens sämtliche vier Schritte des Prozesses einbezogen werden, steht in jedem Kurs ein bestimmter Schritt im Vordergrund. 

Die Vorbereitung auf den Tod, sei er symbolisch oder physisch, beginnt, indem der Pfad der Entscheidung beschritten wird. Dies bedeutet, anzuerkennen, dass der Tod unausweichlich ist, vielleicht sogar kurz bevorsteht. Die Herausforderung ist sodann, so präsent wie möglich zu sein, sowohl im gegenwärtigen Leben als auch beim künftigen Sterben. 

Der Pfad der Entscheidung führt zur Todeshütte, einem Ort, der dazu dient, Beziehungen zu vollenden, wenn der Tod physisch ist, oder sie in Fluss zu bringen, wenn er symbolisch ist. Hier erhält man die Chance, zu vergeben und Vergebung zu erlangen, Liebe und Dankbarkeit auszudrücken oder vielleicht Lebewohl zu sagen. 

Darauf folgt der Bestimmungskreis, in dem man aufgefordert wird, eine Rückschau auf das eigene Leben zu halten und sich ehrlich an vergangene Erfolge und Misserfolge zu erinnern. Sowohl beim physischen als auch symbolischen Tod wird man sich vielleicht fragen: »Was habe ich mit meiner Zeit angefangen, und wer bin ich nun, da ich mich darauf vorbereite, aus diesem alten Leben zu scheiden?« 

Der Pfad der Entscheidung endet am Ballspielplatz, wo jedes Individuum vor den Herren des Todes sein innerstes Wesen offenbart. Dies ist ein Ort des Übergangs und eine Zeit des Aufgebens – »der letzte Übertritt« vom Tod dessen, was einst war, hin zum Mysterium dessen, was künftig sein wird. 

Beim physischen Tod stellt der Ballspielplatz einen Übergang zum Mysterium auf der anderen Seite dar. Beim symbolischen Tod führt dieser Übergang zurück auf den Pfad der Entscheidung, als bewusste Hinwendung zum neuen Leben, das vor einem liegt. Die Herausforderung ist nun, die Erfahrungen dieses Rituals des Todes und der Wiedergeburt in den Körper des neuen Lebens zu integrieren. 

Die Schritte scheinen einfach, doch dies trifft auf viele grundlegende Wahrheiten zu. Die Kunst des Sterbens und Lebens ist jedoch keinesfalls überall verlorengegangen. In einigen Kulturen, Völkern und Religionen in aller Welt blieb sie erhalten. Verloren haben diese Wahrheit jene Menschen, die sich gebärden, als lebten sie »auf« der Erde, anstatt »von« der Erde, jene, die vom Wirbelsturm einer schnelllebigen, virtuellen Wirklichkeit erfasst wurden, und jene, die die tiefere Wirklichkeit des Menschseins vergessen haben, sich ihr verschließen und ihr misstrauen. Unbewusst glauben wir die Luge, die besagt, wir seien getrennt von der Erde, die wir bewohnen. Der Tod erweckt uns. Der Tod erinnert uns. Der Tod lehrt uns, unser Leben voll und ganz zu leben. 

Erforschen wir in der Gemeinschaft Wege, diese universelle Weisheit zu kultivieren, finden wir heraus, dass uns der Tod auch aufeinander zu führen kann, indem er uns ermöglicht, tiefer ins Menschsein, das uns alle verbindet, vorzudringen.

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Die große Pyramide von Chiché Itzá