Ich werde kein ungelebtes Leben sterben.
Ich werde nicht in Angst leben,
vor dem Fallen oder Feuerfangen.
Ich wähle meine Tage zu bewohnen
und erlaube meiner Lebensweise mich zu öffnen.
Um mutiger zu werden, durchlässiger, und mein Herz zu lösen.
Auf dass es ein Flügel wird.
Eine Fackel.
Ein Versprechen.
Ich wähle meine Wichtigkeit zu riskieren.
Um das, was zu mir kommt als Same,
zum Nächsten weitergeht als Blüte,
und das, was zu mir kommt als Blüte,
zum Nächsten weitergeht,
als Frucht.
Dawina Markkova

was wäre der Herbst, ohne dieses wunderbar goldene Licht, das sich in der klaren Bergluft über die Welt ergiesst, sich uns schenkt, mit all seiner Fülle und Farbenpracht, die Landschaft modelliert, uns einlädt, unsereren inneren Landschaften nachzuspüren?
Dieses Licht, es ruft mich, es ruft mich, mein inneres Feuer anzubinden an die wilde Schönheit der Natur, es ruft mich hinaus in die Wildnis, es ruft mich, kein ungelebtes Leben zu sterben, es ruft mich, meine Tage zu bewohnen, die tiefsten Wünsche meiner ureigensten Lebensweise zu entdecken, es ruft mich, mich fallen zu lassen, und
der Zeremonie zu folgen, sie am Leben erhalten, in mir…
Vor einigen Wochen bin ich mit einer Freundin in die Berge gezogen, die Hütten waren überfüllt, und so haben wir die Nacht knapp unter dem Gipfel des großen Ötscher im Freien verbracht, 2 kleine Menschlein, 2 Schlafsäcke, 2 Isomatten, ein Tarp.
Nach einem wunderbar sonnigen Tag und einer ausgedehnten Wanderung war der Abend plötzlich schneidend kalt, der Wind hat geheult und am Tarp gezerrt, aber das war nur eine kleine Entbehrung für das Geschenk dieses Abends in freier Natur:
In einem Meer aus Farben ist die Sonne abgetaucht, hinter den Hügeln des Alpenvorlandes versunken, endlose Schattierungen, ein unfassbar schöner Ausblick, jede Minute hat sich eine neue Hügelkette aus den Tiefen der Täler hervor modelliert – Weite, wie ich sie sonst nur aus dem Death Valley, den großen Wüsten oder dem Himalaya kenne.
In der Stille dann der Übergang hinein in die Dunkelheit einer Mondlosen Nacht, welche uns nach dem Farbenspiel des Sonnenunterganges noch einen Sternenhimmel ans Firmament gezaubert hat, wie wir ihn hierzulande nur selten zu sehen bekommen –
die eigene Unendlichkeit gespiegelt in der Unendlichkeit des Außen
Was für ein Geschenk, in der Schönheit dieser Himmelsmalerei versinken zu dürfen, und dabei das eigene Herz zu spüren, wie es nach einem erfüllten Sommer mit Zeremonien für Kinder, Jugendliche, einer Visionssuche und einer Visionssuche am Ballcourt wieder ganz für mich schlagen darf.
Ich war da oben am Berg, um nach diesem rasenden – all zu trockenen Sommer, selbst zur Ruhe zu kommen, mich anzubinden an die mich umgebende Natur, Kraft zu tanken für den Alltag, den Herbst und allem was da so auf mich zukommt diesen Winter. Ich bin mit der Frage gegangen wie ich die Zeremonien des Sommers mit in den Herbst, den Winter, und damit noch mehr in mein tägliches Leben integrieren kann? Was ist meine Art mutiger zu werden, durchlässiger und mein Herz zu lösen, von allem was meinen Herzschlag begrenzt, von all dem was mich daran hindert, Flügel, Fackel oder Versprechen zu sein, die eigene Zeremonie zu leben, Tag für Tag & jeden Tag aufs Neue…
becoming the Ceremony
Die Tage werden kürzer, das begrenzte Tageslicht ruft mich, das Leben zu leben. Nach den vielen Stunden im Kreis, den Councils, den berührenden Geschichten unserer Teilnehmer*innen spüre ich diesen Herbst den Ruf nach dem Rückzug ins Innen, dorthin, wo mein kreativer Schaffensdrang erwacht. Ich nutze das Tageslicht rund um Haus, eine neue Beetbegrenzung entsteht, die Pumpeneinhausung wird erneuert, Sträucher schneiden & Leimringe an die Bäume legen, Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit… die dunklen Abende laden mich ein, abseits der Bogenbau Kurse auch wieder nur für mich in die eigene Werkstatt zu gehen, rumtüfteln, ausprobieren, kreativ sein. In all diesem Tun mit den Händen bemerke ich, wie die Zeit plötzlich still steht, endlos wird, aufhört zu existieren. Eigentlich bin ich erst vor wenigen Minuten aus der Werkstatt heimgekommen, aber ein Blick auf die Uhr verrät, dass es bereits 23:30 ist, trotzdem setze ich mich zum Computer und schreibe diese Zeilen, kann gar nicht anders, die Kreativität sagt jetzt.

In der Werkstatt hatte ich gerade 2 Rahmen gebaut für “Qilauts” – “Trommeln des Himmels” wie die Grönländer ihre Windtrommeln nennen. “Werkzeuge fürs Gebet” nennt sie der grönländische Schamane Agaangak den ich vor 2 Wochen während des großen Regens kennenlernen durfte. Seit er mich mit seinen Qilauts besungen hat scheint das Feuer in meinem Herzen mit einer neuen Intensität zu brennen, oder hat das schon da oben am Ötscher während diesem magischen Sonnenuntergang und einer Nacht unter Sternen so zu brennen begonnen, einfach weil ich mir kurz mal Zeit für mich selbst genommen habe, Zeit, um mich wieder mit dem Feuer im eigenen Herzens zu verbinden? Egal, das Feuer brennt, flackert munter vor sich hin, gerade rechtzeitig, bevor die Nächte wieder länger werden…
Ich werde es beibehalten, das draussen Schlafen, mich den ganzen Herbst und Winter immer wieder unter die Sterne legen, und so die Zeremonien des Sommers mit all ihrer Visionären Kraft am Leben erhalten.
Da draussen werde ich mich daran erinnern,
dass ich meiner Lebensweise erlaube, sich zu öffnen.
Ich werde es tun, um mutiger zu werden, durchlässiger, und um mein Herz zu lösen.
Auf dass es ein Flügel wird.
Eine Fackel.
Ein Versprechen.
Ein Feuer, das nie verglüht.
Ich werde es tun, um meine Wichtigkeit nicht nur zu riskieren, sondern sie zu verbrennen!
Um das, was zu mir kommt als Same,
zum Nächsten weitergeht als Blüte,
und das, was zu mir kommt als Blüte,
zum Nächsten weitergeht,
als Frucht.

Ich werde besondere Plätze aufsuchen und mein Tarp in die Landschaft stellen, so wie auf diesem Bild hier, fast ganz oben am großen Ötscher…
Ich werde es tun um selbst zur Zeremonie zu werden, noch mehr, ganz!
being the Ceremony, every single day!
Hei du, magst du mitkommen, zu so einer Nacht im Freien, und da draussen deiner eigenen Wildnis begegnen?